Themen und Texte

Familie

Die Familienmitglieder haben einen großen Anteil daran, ob die Unternehmensübergabe ein Erfolg oder Misserfolg wird. "Beim Erben soll es gerecht zugehen", das ist der Wunsch aller Eltern. Bei Erbstreitigkeiten geht es scheinbar ums Geld, auf einer tieferen Ebene jedoch um die Liebe der Eltern. Frühzeitige Gespräche mit allen Familienangehörigen sind daher absolut notwendig. Darüber, was mit dem Unternehmen geschehen soll, muss eine Einigung erzielt werden, die von der gesamten Familie getragen wird. Um eine mögliche Frontenbildung zu verhindern, sollte daher frühzeitig ein externer Moderator eingeschaltet werden.

Gespräche führen

Der Unternehmer und Vater bzw. die Unternehmerin und Mutter sollte alle Familienangehörigen zu Gesprächsrunden einladen. Die Moderation selbst sollte er in die Hände eines neutralen Moderatoren legen. Wird schließlich eine Entscheidung durch den Familienrat gefällt, ist es nicht leicht diese zu akzeptieren, wenn sie den Wünschen des Unternehmers widersprechen. Vor allem, wenn für den Verkauf des traditionsreichen Familienunternehmens gestimmt wird, kommt nicht selten das Gefühl auf, den eigenen Großvater und Unternehmensgründer damit zu verkaufen. Der Senior sollte sich daher frühzeitig auch mit möglichen unangenehmen Entscheidungen vertraut machen und bereit sein, diese zu akzeptieren.

Interesse der Lebenspartnerin/des Lebenspartners berücksichtigen

Ein weiterer wichtiger Aspekt in puncto Familie ist der oder die mitarbeitende Lebenspartner/in. Im Einzelhandel, im Handwerk und in der Gastronomie ist bekannt, dass der Betrieb ohne aktiv mittätigem Lebenspartner vermutlich schwer zu gründen und zu halten wäre. Arbeitet ein Paar in der Firma zusammen, besteht die Gefahr, dass sich deren gesamte Kommunikation nur noch um die Firma dreht. Die betrieblichen Probleme werden nicht dort gelassen, wo sie hingehören, sondern mit an den Küchentisch genommen. Viele Paare haben dann keine Zeit mehr füreinander. In einem schleichenden Prozess verarmt auf diese Weise die private Beziehung. Spätestens wenn die Firma im Zuge des Generationswechsels übergeben werden soll, wird den Eheleuten bewusst, dass es für sie außerhalb des Betriebes kaum noch ein gemeinsames Leben gibt.

Damit sich die Paar-Beziehung in der täglichen Bewältigung betrieblicher Aufgaben nicht abnützt, sollten Sie frühzeitig, spätestens aber ein Jahr vor der Übergabe, dieser Entwicklung entgegenzusteuern, um ein berufliches und privates Gleichgewicht zu schaffen. Dafür werden spezielle Seminare für Unternehmerpaare angeboten, um Beziehung und Beruf besser im Einklang zu bringen.

Doppelrolle beachten

Hier ist die Qualität der Eltern-Kind-Beziehung ein ausschlaggebender Faktor. Die Besonderheit ist die Doppelrolle, in der sich beide Generationen befinden: zum einen als Kind bzw. Junior-Chef zum anderen als Elternteil bzw. Übergeber. Die Schwierigkeiten dieser Doppelrolle zeigen sich in den folgenden Fragen, die sich Eltern und Nachfolger gleichermaßen stellen müssen:

  • Kann sich der Juniorunternehmer gegenüber der Autorität der Eltern behaupten?
  • Hat der Junior die Rolle als Nachfolger aus freien Stücken gewählt?
  • Ist er bzw. sie tatsächlich für die Nachfolgerolle geeignet oder soll das Unternehmen in erster Linie in der Familie bleiben?
  • Akzeptieren die Eltern die unternehmerischen Entscheidungen ihres Sohnes, ihrer Tochter?
  • Respektieren die Eltern die Partnerwahl und damit die Schwiegertochter bzw. den Schwiegersohn?

Hat die Inhaberin bzw. der Alt-Inhaber mehrere Kinder kommen möglicherweise noch weitere Probleme hinzu: Durch Entscheidung für einen bestimmten Nachfolger aus der Familie fühlen sich womöglich andere Familienmitglieder zurückgesetzt. Eine Lösung kann deshalb nur erreicht werden, wenn die vielfältigen Wechselwirkungen zwischen den menschlich-seelischen und finanziell-ökonomischen Aspekten berücksichtigt werden.