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Übergeber

Der Entschluss, das Unternehmen an einen Nachfolger abzugeben, ist alles andere als einfach. Als langjähriger Unternehmer müssen Sie sich von Ihrem Lebenswerk verabschieden und die zum Teil langjährigen Kontakte zu Kunden, Lieferanten und anderen Geschäftspartnern aufgeben.

Kompetenzverlust

Oftmals führt der Nachfolger Neuerungen ein, die die Identität des Unternehmens verändern und die Kompetenz des Seniors nachträglich scheinbar in Frage stellen. Dies betrifft vor allem moderne Technologien, Formen der Mitarbeitermotivation, neue Ideen, Produkte oder Verfahren und auch die Qualifikation der Mitarbeiter. Die "Handschrift" des Nachfolgers wird für den Senior nicht selten zum "Schlag ins Gesicht".

Ergebnis: nicht loslassen können

Oft ist der Senior zwar zunächst froh, einen Nachfolger gefunden zu haben, der dieses Lebenswerk fortsetzen will (was oft nicht ganz einfach ist). Dann aber verzögert er womöglich die Wachablösung, mischt sich (vor allem bei einer Nachfolge innerhalb der Familie) weiterhin in die Unternehmensführung ein, gibt den Mitarbeitern weiterhin Anweisungen, weiß alles (noch) besser als der Junior-Chef, da er auf so viele Jahre Erfahrung zurückblicken kann.

Tipps zur Vorbereitung der Übergabe

Unternehmerinnen und Unternehmer sollten sich zu ihrem 50. Geburtstag ein besonderes Geschenk machen, indem sie sich dazu entschließen, die Unternehmensübergabe anzugehen. Dieses Vorhaben sollten sie auch kommunizieren, weil von dieser Entscheidung der Ehepartner, die Kinder und weitere Personen betroffen sind. Am besten Sie peilen für die Unternehmensübergabe einen konkreten Zeitpunkt an. Welchen Anlass könnten Sie dafür nutzen? Bietet sich dafür nicht Ihr nächster runder Geburtstag an? Oder steht ein Firmenjubiläum ins Haus? Als erste Orientierung ist dabei die Beantwortung der folgenden Fragen hilfreich:

  • Kann ich mir überhaupt vorstellen, das Unternehmen in andere Hände zu übergeben?
  • Welche Befürchtungen, welche Chancen und Zukunftsträume verbinde ich damit?
  • Welche Gründe gibt es für meine Befürchtungen, die mit einer Unternehmensübergabe verbunden sind?
  • Was kann ich konkret tun, um diesen Befürchtungen entgegenzutreten?

Unabhängig davon, welche Übergabevariante Sie persönlich wählen, ist es am besten, die Übergabe und Ihre neue Rolle dabei als ein neues Projekt zu definieren, das Sie als Unternehmer mit Weitsicht planen und umsetzen. Ungewöhnlich wird für Sie sein, dass es dabei nicht um neue Märkte oder neue Produkte geht, sondern Ihr Ziel jetzt "Loslassen" heißt. Nur wenn Sie sich selbst im Unternehmen überflüssig machen, ist paradoxerweise die Existenz des Unternehmens gesichert. Dies gilt zumindest für die Phase der unmittelbaren Nachfolge. Gedanklich sollten Sie sich frühzeitig darauf vorbereiten. Lassen Sie sich Zeit und gehen Sie Schritt für Schritt vor, damit Sie sich nicht womöglich schon in Ihrer aktiven Unternehmerzeit innerlich von Ihrem Unternehmen verabschieden.

Es gibt ein Leben "nach dem Unternehmen"

Können Sie sich ein Leben ohne Ihr Unternehmen vorstellen? Überlegen Sie frühzeitig, wie Sie die Zeit nach vollzogener Übergabe gestalten wollen.

  • Welche Vorhaben habe ich immer wieder bis zum Ruhestand hinausgeschoben?
  • Welche Hobbys haben während meiner unternehmerischen Tätigkeit gelitten?
  • Gibt es Ehrenämter, die mich reizen würden?
  • Möchte ich in einem Spezialgebiet noch einmal als selbständiger Unternehmer tätig werden?
  • In welchen Organisationen (z.B. Berufsverband, politische Parteien, Vereine) könnte ich mein fachliches Know-how einbringen?


Die familienexterne Nachfolge

Sollte es sich bei einem familienexternen Nachfolger nicht um einen Mitarbeiter des Unternehmens handeln, so lernen sich Übergeber und Übernehmer erst im Rahmen der Übertragung intensiver kennen. Dabei stellen sie vielleicht fest, dass sie unbefangener miteinander umgehen können als mit den Mitgliedern der eigenen Familie. Und doch gibt es auch hier heikle Fragen. Der Übergeber fragt sich möglicherweise, ob der Nachfolger tatsächlich über den notwendigen unternehmerischen Instinkt verfügt, ob er das notwendige Verantwortungsgefühl für Mitarbeiter und Kunden mitbringt und über die erforderliche Ausdauer und Belastungsfähigkeit verfügt. Sprechen Sie mit dem Nachfolger und stellen Sie dabei u.a. folgende Fragen in den Vordergrund:

  • Was begeistert und fasziniert Sie an meinem Unternehmen?
  • Warum möchten Sie unternehmerisch tätig sein?
  • Welche Aufgabenverteilung schlagen Sie während der Übergangsphase zwischen uns vor?
  • Wie sehen Ihre Zukunftspläne für das Unternehmen aus? Was wollen Sie verändern?

Zur besseren gegenseitigen Einschätzung kann es sinnvoll sein, einen Moderator hinzuziehen.