Praxisbeispiele

Klares Konzept

"Ehrlich mit sich selbst sein, sich nichts Schönreden und schon gar nichts Schönrechnen. Man muss einen festen Willen und eine klare Vorstellung von dem haben, was man machen möchte."

Volker Hess
Wein & Antik

Volker Heß

Herr Heß, Sie haben das Ladengeschäft „Wein & Antik“ übernommen. Ursprünglich war Ihr Plan gewesen, ein Weingeschäft in Speyer zu eröffnen. Warum haben Sie sich für eine Übernahme entschieden?

Heß: Bei der Suche nach einer geeigneten Immobilie habe ich erfahren, dass dieses Geschäft verkauft werden soll und es zeigten sich gleich mehrere Vorteile, gegenüber einer Neugründung. Doch das Wichtigste für mich war, dass es den Laden bereits seit 25 Jahren gab. Ich konnte einen Kundenstamm übernehmen und es gab zuverlässige Strukturen, die über viele Jahre gewachsen sind, mit Lieferanten und Großhändlern. Die Räume waren bereits eingerichtet, und obwohl ich noch einiges geändert habe, hat das vieles vereinfacht.

Welche Faktoren spielten außerdem eine Rolle bei der Entscheidung für dieses Unternehmen?

Heß: Wichtig war mir auch, dass sich die Räumlichkeiten noch ausbauen ließen. Und der Charakter des Ladens gefiel mir, denn Wein ist eine emotionale Sache und da müssen die Räumlichkeiten mehr als nur Platz bieten.

Entscheidend ist aber die Lage gewesen. Ich bin in unmittelbarer Nähe zur Fußgängerzone und genau vor dem Laden gibt es eine Vielzahl von Parkplätzen für meine Kunden. Darüber hinaus war für mich wichtig, dass die Region hier relativ einkommensstark ist und das sind schon Weintrinker hier - Wein ist hier ein Thema. Und die Mitbewerbersituation habe ich mir natürlich auch angeguckt: Was das Angebot der Whiskysorten angeht, bin ich, glaube ich, im Umkreis von 30 Kilometern der Größte und was das Weinangebot angeht, hat dieser Laden hier viele Vorteile gegenüber den Weinläden in der näheren Umgebung.
Außerdem war die Miete sehr verlockend und der Kaufpreis war niedriger als ich angenommen hatte.

Konnten Sie Fördermittel bei der Finanzierung des Kaufpreises in Anspruch nehmen?

Heß: Ja, ich konnte ein Förderprogramm meines Bundeslandes nutzen. Das war ein spezieller Förderkredit für Unternehmer und Existenzgründer, ähnlich dem StartGeld der KfW Mittelstandsbank. Meiner Hausbank habe ich dazu meinen Businessplan einschließlich Finanzplan und Rentabilitätsvorschau für die nächsten drei Jahre vorgestellt. Der wurde geprüft und nach minimalen Nachbesserungen an die Landesbank weitergereicht. Die Landesbank holte sich dann noch eine zusätzliche Meinung bei der IHK ein. Ein Mitarbeiter der IHK hat sich darauf hin das Geschäft angesehen und ich habe ihm alles vor Ort gezeigt: was ich verändern möchte, wie ich umstrukturieren und das Sortiment verbessern will. Dann hat die Landesbank der Hausbank das O.K. gegeben. Das heißt, die Landesbank trägt 80 Prozent des Risikos.

Erhielten Sie Unterstützung bei der Erstellung des Businessplanes?

Heß: Ich hatte ja das Konzept für die Gründung einer Weinhandlung bereits in der Schublade. Das hatte ich bei der Wirtschaftsförderung in Speyer prüfen lassen und jetzt nur noch an die neue Situation angepasst.

Welche Vorteile bietet Ihnen dieser Förderkredit?

Heß: Erstmal sind die Zinsen relativ günstig und mir wurde eine tilgungsfreie Anlaufzeit eingeräumt. Die werde ich aber vermutlich nicht in Anspruch nehmen. Und ein großer Vorteil ist, dass ich den Kredit auch vor dem Ende der Laufzeit zurückzahlen kann, ohne dass extra Kosten entstehen.

Mussten Sie Sicherheiten für diesen Kredit vorweisen?

Heß: Ich konnte Sicherheiten anbieten, aber es war nicht zwingend notwendig. Insgesamt fand ich das Prozedere bei der Bank recht leger. Vielleicht lag es aber auch daran, dass ich von meinem Konzept überzeugt war. Das rate ich sowieso jedem Gründer: Ehrlich mit sich selbst sein, sich nichts Schönreden und schon gar nichts Schönrechnen. Man muss einen festen Willen und eine klare Vorstellung von dem haben, was man machen möchte.