Praxisbeispiele

Übertragung innerhalb der Familie

"Wir haben, ich glaube, das ist sehr wichtig in einem solchen Prozess, uns in die Situation des anderen einfühlen können."

Christian Dinger
Dinger’s Gartencenter Köln GmbH & Co. KG


Das „Dinger’s Gartencenter“ ist seit 1956 ein Familienunternehmen. Herr Dinger, Sie haben den Betrieb 2004 von Ihrem Vater übernommen.

Dinger: Ja, aber das war quasi eine Übernahme auf Umwegen. Ursprünglich hatte meine Schwester das Unternehmen übernommen. Diese Übernahme hatten meine Eltern lange und gut vorbereitet, das heißt, sie sind sehr offen damit umgegangen, auch mit den erbrechtlichen Fragen. Nach ein paar Jahren ist meine Schwester allerdings zu der Entscheidung gekommen, dass sie den Betrieb doch nicht mehr weiterführen will.

Warum hat Ihre Schwester das Unternehmen damals übernommen und nicht Sie?

Dinger: Ich hatte früher immer ganz deutlich gesagt, dass ich das Gartencenter nicht übernehmen möchte. Stattdessen habe ich mein eigenes Unternehmen gegründet: eine Landschaftsbaufirma. Als meine Schwester dann ausgeschieden ist, hat mein Vater mich und meine Frau gefragt, ob wir den Betrieb übernehmen wollen. Wir haben kurz überlegt und dann ja gesagt.

Was war der Grund, dass Sie das Unternehmen jetzt doch übernehmen wollten?

Dinger: Weil ich mit meiner Firma für Landschaftsbau das Gartencenter als Akquisitionsplattform genutzt habe und wenn diese Plattform weggefallen wäre, hätten wir dadurch arge Probleme gehabt, da wären wir finanziell einfach tot gewesen. So dass die Entscheidung aus wirtschaftlichen Gründen relativ schnell fiel.

Und wie ging es weiter, als die Entscheidung gefallen war, dass Sie die Nachfolge antreten?

Dinger: Na ja, da ich nicht auf zwei Hochzeiten gleichzeitig tanzen konnte, haben wir den Landschaftsbau aufgegeben. Meine Schwester hat das Unternehmen wieder an meinen Vater zurückgeben. Aus steuerlichen Gründen war es besser, die Übertragung rückgängig zu machen. Anschließend habe ich es von meinem Vater übernommen.

Haben Sie einen Berater hinzugezogen?

Dinger: Wir haben natürlich Hilfe gehabt, rechtlichen Beistand. Sowohl im Steuerrecht, als auch im Vertragsrecht. Das war aufgrund der Komplexität auch sicherlich notwendig. Ich kann jedem nur dazu raten, eine Vertrauensperson hinzuzuziehen. Gerade auch, wenn es mehrere Erben bzw. Geschwister gibt. Damals, als meine Schwester die Nachfolge angetreten ist, habe ich ja auf meinen Pflichtteil verzichtet. Weil der überhaupt nicht finanzierbar gewesen wäre, da wäre die Firma pleite gewesen. Umgekehrt haben wir es jetzt genauso gemacht. Das heißt, meine Schwester hat auf ihren Pflichtteil verzichtet. Na ja, und wenn es ums Erben geht, wird es schnell emotional.

Hatten Sie auch auf dieser emotionalen Ebene Unterstützung?

Dinger: Ja, durch einen psychologisch geschulten Unternehmensberater. Er ist schon lange mit der Familie befreundet und hat alle unsere Gespräche, die die Betriebsübergabe betrafen, moderiert. Meine Eltern waren dabei und natürlich ich, meine Schwester und manchmal auch meine Frau. Er hat zum Beispiel mäßigend auf die Beteiligten eingewirkt, Alternativen zum weiteren Vorgehen aufgezeigt und auch einfach mal das Gesagte zusammengefasst. Viele Probleme ergeben sich ja aus Missverständnissen, außerdem braucht es Zeit – das ist nicht mal eben so abgehakt.

Und wie verlief dieser Übergabeprozess zwischen Ihnen und Ihrem Vater?

Dinger: Also ich hätte niemals gedacht, dass das so reibungslos abläuft. Muss ich ganz ehrlich sagen. Was nicht heißt, dass man immer gleicher Meinung war, doch wir konnten offen über alles reden. Und wir haben, ich glaube, das ist sehr wichtig in einem solchen Prozess, uns in die Situation des anderen einfühlen können.

Spielt Ihr Vater heute noch eine Rolle im Unternehmen?

Dinger: Ja, er vertritt mich, wenn ich zum Beispiel im Urlaub bin. Wenn ich da bin, ist allerdings klar, dass ich das Sagen im Betrieb habe. Trotzdem hole ich mir natürlich seinen Rat. - Ich wäre doch dumm, wenn ich sein über Jahre erworbenes Know-how nicht nutzen würde.

Wie haben die Mitarbeiter auf den Wechsel in der Unternehmensführung reagiert?

Dinger: Überwiegend positiv und mit großer Erleichterung. Wir hatten ja eine Situation, etwa zwei, drei Jahre lang, da haben die Angestellten schon gemerkt, dass meine Schwester nicht mehr so richtig will und sich Sorgen gemacht: „Wie geht's dann weiter? Werden wir verkauft?“, und wenn dann einer aus der Familie kommt, einen den Sie bereits kennen, dann ist das schon mal viel wert.