Praxisbeispiele

Übernahme durch Mitarbeiter

"Wir haben immer ein sehr offenes und transparentes Verhältnis gegenüber unserer Bank gepflegt. Das hat sich hier sicherlich auch ausgezahlt."

Timo Böttcher und Pawel Peters
Kempinger GmbH, Sanitär- und Heizungsinstallation


Herr Peters, Sie und Herr Böttcher waren langjährige Mitarbeiter der Kempinger GmbH und haben 2007 die Geschäftsleitung sowie die Anteile an der Kempinger GmbH übernommen. Warum fiel die Entscheidung für eine firmeninterne Nachfolge auf Sie beide?

Peters: Herr Kempinger hat keine eigenen Kinder und fand eine unternehmensinterne Übernahme gut, weil Mitarbeiter in der Regel das Unternehmen ja schon gut kennen und so auch Verkaufsverhandlungen einfacher werden. Außerdem sah er in uns eine gute Kombination. Timo Böttcher ist Heizungssanitärmeister und ist für den kompletten technischen Bereich zuständig und ich bin Kaufmann. Ich hatte in den letzten Jahren in diesem Bereich auch schon eine führende Position im Unternehmen.

Wie ging es weiter, nachdem Sie sich, auch im Gespräch mit Ihren Familien, entschlossen hatten, die GmbH zu übernehmen?

Peters: Zuerst haben wir mit dem Steuerberater gesprochen und ihn gefragt, was wir jetzt tun müssen. Das erste war dann eine Unternehmensbewertung, die wir an einen Wirtschaftsprüfer weitergereicht haben. Dann musste erarbeitet werden, wie wir das Unternehmen übernehmen wollen. Also wir hatten uns für eine Abwicklung über eine einzige Kaufsumme entschieden und gleichzeitig haben wir mit der Hausbank gesprochen, ob sie, Timo Böttcher und mir als Privatpersonen, den Kaufpreis überhaupt finanzieren. Und dann musste auch ein Steuerberater die steuerliche Seite prüfen. Insgesamt hat das alles 20 Monate gedauert.

Und konnten Sie den Kauf über Ihre Hausbank finanzieren?

Peters: Ja, Herr Kempinger und auch ich, später in meiner Funktion als Kaufmann, haben immer ein sehr offenes und transparentes Verhältnis gegenüber unserer Bank gepflegt. Das hat sich hier sicherlich auch ausgezahlt. Von der Bank haben wir dann so nach und nach Auflagen bekommen, welche Eckdaten wir noch vorlegen müssen. Also Firmenbewertung, Bilanzen etc.

Hatten Sie bei diesen vielen und unterschiedlichen Punkten der Nachfolge einen Berater zur Seite?

Peters: Nein, aber jetzt im Nachhinein würde ich jedem Unternehmensnachfolger dazu raten, einen Unternehmensberater hinzuzuziehen. Also die Kosten sollte man wirklich nicht scheuen. Ein Unternehmensberater hätte uns viel Zeit gespart, in dem er die Informationsflut filtert, einem sagt, "das ist für Sie wichtig, das ist weniger wichtig" und der vor allem die Informationen weiterleitet: an das Finanzamt, an die Steuerberater, an die Anwälte vom Verkäufer, vom Käufer, an die Bank.

Das habe ich alles selbst gemacht und im Nachhinein ärgert es mich ein bisschen, denn dadurch habe ich sicherlich andere Dinge vernachlässigt. Ich kann nur jedem raten, einen Unternehmensberater hinzuzuziehen. Die Hausbank oder der Steuerberater vermitteln hier oft. Oder der Wirtschaftsprüfer der die Firmenbewertung macht. Jeder kennt da sicher jemanden, wo dann die Fäden zusammenlaufen können. Und vielleicht kann ein Unternehmensberater auch etwas Druck auf das Finanzamt ausüben oder er weiß besser, an wen man sich dort wenden kann. Denn die größte Hürde bei dieser Nachfolge war tatsächlich das Finanzamt. Da muss man wirklich Geduld mitbringen.