Praxisbeispiele

Eine Frage des Standortes

"Ich habe das Umfeld beobachtet: Wie viele Wettbewerber gibt es, wie viele Fahrzeuge unserer Marke sind dort unterwegs?"

Martin Häußermann
Autohaus Ochs GmbH


Herr Häußermann, Sie haben „Ihr“ Autohaus über die Unternehmensbörse „nexxt-change“ gefunden und es 2006 übernommen. Nach welchen Kriterien haben Sie ein Unternehmen gesucht?

Häußermann: Es sollte auf jeden Fall ein Betrieb sein, den ich noch aufbauen und verändern kann. Und es sollte ein VW-Betrieb sein, da ich schon vorher bei der Volkswagen AG tätig war. Parallel hatte ich auch Zeitungsannoncen studiert, in Fachzeitschriften und auch über die VW-AG gesucht.

Und wie haben Sie entschieden, dass das Autohaus Ochs der geeignete Betrieb ist?

Häußermann: Ausschlaggebend war die Standortanalyse. Ich habe das Umfeld beobachtet: Wie viele Wettbewerber gibt es, wie viele Fahrzeuge unserer Marke sind dort unterwegs, wie viele sind in Betreuung und Ähnliches? Dann war ich ein dreiviertel Jahr im Betrieb und habe die Bilanzen geprüft, das Inventar. Ich habe geschaut, wie läuft hier was, und erst dann haben wir, meine Frau und ich, die Entscheidung gefällt, dass es der richtige Betrieb ist.

Der Preis des Unternehmens hat doch sicherlich auch eine Rolle gespielt?

Häußermann: Der Voreigentümer hatte einen Wunschpreis vorgegeben, der dann verhandelt wurde. Über die KfW wurde mir dafür ein Unternehmensberater vermittelt, der sich auch mit Autohäusern auskannte. Gemeinsam sind wir die Betriebskennzahlen durchgegangen, haben Gebäude- und Grundstückswerte und danach den Kaufpreis ermittelt. Natürlich mussten wir auch sehen, was wir bezahlen können und was wir für die Finanzierung darlegen können. Dabei hatten wir gleich eine Liquiditätsplanung und -vorschau erstellt und konnten sehen, ob unser Vorhaben funktionieren kann.

Hatten Sie weitere Beratung oder Unterstützung bei Ihrem Vorgehen in Anspruch genommen?

Häußermann: Bei der Standortanalyse hatte ich Unterstützung von der VW-AG. Ich konnte mir die Kennzahlen des Unternehmens schon vorab ansehen. Also, wie weit der Betrieb seinen Markt ausschöpft, wie viele Werkstattstunden verkauft werden, wie viele Fahrzeuge und so weiter. Außerdem bietet die IHK Heilbronn im Rahmen eines Moderatorenkonzeptes Sprechtage an. Da kann man sein Vorhaben darlegen und in einem ersten Schritt klären, ob es überhaupt sinnvoll ist oder ob man es besser lässt.

Doch die Beratung zur Finanzierung war am wichtigsten. Die günstigen Zinsen waren zum Beispiel für einen Teil der Investitionen ausschlaggebend und auch für die Beratung, die die KfW vermittelt hatte, habe ich Fördermittel bekommen. Außerdem haben wir eine Mischfinanzierung gemacht, um auf die Kaufpreissumme zu kommen und das ist gar nicht so einfach ohne erfahrene Banker. Also wir haben Mezzanines Kapitel der KfW genutzt, eine stille Beteiligung, Darlehen von verschiedenen Banken und vom Übergeber, und Eigenkapital.

Sie beschäftigen alle Angestellten des Autohauses weiter. Auch der Sohn Ihres Vorgängers ist bei Ihnen angestellt. Er wollte den väterlichen Betrieb nicht übernehmen?

Häußermann: Nein, er ist ein begnadeter Techniker, Maschinenbauingenieur, und sein Ding war nie das Betriebswirtschaftliche. Er wollte den Betrieb nie übernehmen.

Vor der Übernahme hatte er sich überlegt das Unternehmen zu wechseln, doch er ist geblieben. Und das ist sehr gut. Auch weil er für die „alten“ Kunden, die an die Familie gebunden sind, noch als Kontaktperson da ist.

Was raten Sie Unternehmern und Unternehmerinnen, die ebenfalls einen Betrieb übernehmen wollen?

Häußermann: Also in meiner Branche ist es wichtig, den Standort gut auszuwählen und den Vertragspartner. Sie müssen wissen, ob er den Standort beibehalten oder lieber loswerden möchte. Früher waren hier im Umkreis von 15 Fahrminuten vier Werkstätten, jetzt sind wir die einzige, was für uns natürlich von Vorteil ist.