Praxisbeispiele

Von der Aushilfe zur Unternehmerin

"Ich habe ein gut eingeführtes Geschäft übernommen und musste nicht erst auf Kunden warten."

Judith von Kirchbach
Lotte Naturkosmetik

Judith von Kirchbach

Frau von Kirchbach, Sie waren Kundin im Fachgeschäft „Lotte Naturkosmetik“ und haben dort auch einige Monate neben Ihrem Studium gejobbt. Dann bot Ihnen die damalige Inhaberin das Geschäft zum Kauf an. Warum haben Sie das Angebot angenommen?

von Kirchbach: Nun, ein wenig sah ich dieses Angebot als Wink des Schicksals. Es war für mich eine gute Gelegenheit nach dem Studium gleich Geld zu verdienen. Ich wohne in unmittelbarer Nähe des Ladengeschäfts, habe drei Angestellte und kann so die Arbeit gut mit meinen familiären Verpflichtungen vereinbaren. Außerdem ist es ein schönes Geschäft, mit netten Kunden und ich bin immer gerne hier arbeiten gegangen.

Zum einen waren es also ganz praktische Argumente, die für die Übernahme des Geschäftes sprachen. Aber wie haben Sie die wirtschaftliche Seite bewertet?

von Kirchbach: Ich hatte mir gleich eine Unternehmensberaterin gesucht, die mich in den ganzen finanziellen Dingen beraten hat. Sie hat mir geholfen zu prüfen, ob die Forderungen meiner Vorgängerin gerechtfertig sind und ob sich das Geschäft überhaupt für mich rechnen kann.

Der Kaufpreis bestand aus drei Teilen: aus dem Inventar, dem Warenlager und dem ideellen Wert. Das Inventar zu beurteilen war relativ einfach. Allerdings habe ich hier etwas Pech gehabt: Kleinigkeiten, wie die Leuchtstoffröhren, gingen kaputt, dann die Kasse, das Fax usw. Aber das ist halt Verschleiß und da steckt man nicht drin. Das Warenlager haben wir nach einer Inventur bewertet. Am schwierigsten war es, den so genannten ideellen Wert zu beurteilen. Das war eben der Kundenstamm und die Tatsache, dass der Laden seit zehn Jahren an diesem Ort existierte. Meine Unternehmensberaterin fand ihn zu hoch. Heute sehe ich das auch so. Und von anderen Unternehmern weiß ich, dass bei einer Geschäftsübernahme etwa ein Drittel der Kunden verloren gehen. Doch damals war mir wichtig, vom ersten Tag der Übernahme an Geld zu verdienen. Ich habe ein gut eingeführtes Geschäft übernommen und musste nicht erst auf Kunden warten.

Wie haben Sie sich auf die Unternehmensführung vorbereitet?

von Kirchbach: Ich habe ein Existenzgründungsseminar besucht. In dem Seminar sind wir auf die ganzen Schwierigkeiten hingewiesen worden, die mit einer Existenzgründung und eben der Unternehmensführung in Zusammenhang stehen – das war eher frustrierend.
Das Geschäft und die Arbeitsvorgänge kannte ich bereits durch meine Arbeit dort und ich bin auch der Typ, der etwas lernt, in dem er es tut. Und die wichtigste Frage, vor der Übernahme, war für mich, ob ich den Kaufpreis finanzieren konnte.

Und wie haben Sie den Kaufpreis finanziert?

von Kirchbach: Ursprünglich wollte ich das KfW-StartGeld in Anspruch nehmen. Das musste ich bei meiner Hausbank beantragen. Dafür hatte ich auch einen Businessplan geschrieben und insgesamt hätte ich moderate Zinsen gehabt und auch eine tilgungsfreie Zeit. Doch kurz vor dem endgültigen Abschluss ist eine Verwandte eingesprungen, wodurch die Rückzahlungsmodalitäten nun noch besser sind.

Stand der Kaufpreis fest oder gab es noch einen Verhandlungsspielraum?

von Kirchbach: Der ideelle Wert stand für meine Vorgängerin fest. Bei dem Warenlager hatte ich sie gebeten, einen möglichst großen Ausverkauf zu machen, damit der Bestand nicht so groß ist und die Kaufsumme nicht so hoch wird. Außerdem hatte Sie ein paar Sachen im Sortiment, die ich nicht übernehmen wollte. Bei der Bezahlung des Warenlagers konnte ich dann noch etwas verhandeln. Es ist so, dass ich den ideellen Wert und das Inventar bei der Übernahme bezahlt habe und das Warenlager zahle ich bisher noch in Raten ab - aber ohne Zinsen, wie es anfangs gefordert wurde.

Und bei der Ladenmiete?

von Kirchbach: Den Mietvertrag habe ich im Prinzip so übernommen. Sogar noch mit einer kleinen Mieterhöhung. Das ärgert mich heute ein wenig. Von Geschäftsleuten in meiner Nachbarschaft weiß ich, wie viel Miete sie zahlen und dass der Vermieter auch Renovierungskosten übernommen hat. Wir haben zum Beispiel Parkett auf eigene Kosten legen lassen. Außerdem ist die Raumgröße ungünstig. Ich zahle für die 43 Quadratmeter fast so viel, wie manche für hundert. Also, da hätte ich wirklich noch verhandeln können.