Praxisbeispiele

Übergabe rechtzeitig vorbereiten

"Ich rate jedem Unternehmer, die Nachfolge nicht zu emotional zu betrachten, sondern kaufmännisch."

Hartmut Zippel
Konrad Zippel Spediteur GmbH & Co. KG

Hartmut Zippel

Die Konrad Zippel Spediteur GmbH & Co. KG steht für eine gelungene Unternehmensnachfolge. Sie haben Ihre Firma an Ihren Mitarbeiter und Partner verkauft. Herr Zippel, wie sind Sie dieses Projekt angegangen?

Ich hatte mir schon immer vorgenommen, mein Unternehmen abzugeben, so lange ich das noch selbst gestalten kann, wenn ich noch gesund bin. Außerdem gab es in dem Unternehmen schon immer eine Art Notfallplan, für den Fall, dass ich mal plötzlich krank werde. Früher waren mein Vater und ich im Unternehmen, und als er starb, habe ich wieder einen Partner mit reingenommen. Das war ein Mitarbeiter, dem hatte ich 1995 eine Partnerschaft und die Geschäftsführung angeboten, und der hatte dann 2002 Anteile von 40 Prozent gekauft. Und da bot es sich an, das Unternehmen erstmal ihm anzutragen. Also meine 60 Prozent der Geschäftsanteile zu übernehmen und das Grundstück, Sachwerte usw.

Und er hat sofort zugegriffen?

Anfangs fehlte ihm ein wenig der Mut. Doch er kannte die Firma, die finanziellen Verhältnisse, unsere Kundschaft. Mitte 2006 haben wir dann erste Preisverhandlungen geführt. Mein Partner hat sich auch wieder jemanden dazugeholt, einen Verkehrsfachwirt. Den kannte er aus der gemeinsamen Ausbildungszeit, und der hat jetzt 30 Prozent der Anteile am Unternehmen und ist auch Geschäftsführer.

Hatten Sie noch andere Interessenten oder einen Wunschkandidaten?

Im Prinzip ist das mein Wunschnachfolger. Ich kenne ihn ja auch schon über 15 Jahre. Er hat bei uns als Disponent im Büro gearbeitet und er hat sich immer 100-prozentig für die Firma eingesetzt. - Er hat das im Grunde auch verdient.

Wir, also eine außenstehende Vertrauensperson, die auch bei den Preisverhandlungen dabei war, und ich, hatten noch zwei drei Unternehmen angesprochen, um den Markt zu testen und auch um den Preis zu stabilisieren.

Auf welcher Grundlage haben Sie den Unternehmenswert ermittelt?

Grundlage für die Ermittlung des Unternehmenswertes waren im Prinzip die Gewinne der letzten fünf Jahre und davon dann 60 Prozent. Das ist eine Variante der Ertragswertmethode.
Und natürlich wurden bei den Verhandlungen die bisherigen Leistungen meines Partners berücksichtigt. Denn er hat ja dazu beigetragen, dass das Unternehmen zum Zeitpunkt der Übergabe einen guten Wert hatte.

Und wie haben Sie die Übergangsphase geregelt?

Bis Ende 2008 arbeite ich noch bei vollem Gehalt weiter als Geschäftsführer, neben den beiden anderen Geschäftsführern. Das war so abgemacht. Aber natürlich habe ich nicht mehr das letzte Wort oder entscheide auf der Stelle. Da muss ich fragen. – Aber das will ich auch so. Ich will den beiden nicht die Verantwortung abnehmen und ich bin auch nicht bei Besprechungen dabei, wenn es um die Entwicklung des Unternehmens geht oder um Personalentscheidungen. Bei manchen Entscheidungen denke ich dann, das hätte ich anders gemacht, aber die machen das gut! Ich mache hier meine Arbeit, die ich vorher auch gemacht habe, und arbeite den Neuen ein.

Ist es Ihnen leicht gefallen, Ihr Unternehmen in andere Hände zugeben?

Das ist so eine Mischung aus nüchterner Überlegung und Wehmut. - Hätte ich allerdings von heute auf morgen den Betrieb aufgegeben, wäre das vielleicht schlimmer gewesen. Und ich habe schon immer einen Ausgleich zur Arbeit gehabt. Ich habe fast 2000 Bücher und wenn ich nach Hause kam, hatte ich immer eine Beschäftigung. Sodass ich mich jetzt auch freue, mich den anderen Tätigkeiten mehr widmen zu können. Innerlich werde ich jedenfalls immer ausgeglichener.

Ich rate jedem Unternehmer, die Nachfolge nicht zu emotional zu betrachten, sondern kaufmännisch. Wenn Ihr erst mal 70 oder älter seid, dann wird euch das Geschäft vielleicht einfach aus der Hand genommen. Also: Aufhören, so lange man noch selbst darüber entscheiden kann!